19. Braunschweiger Gramsci-Tage

Zeit: Freitag, 27. November 2026, 16:30 h bis ca. 21 h
          Samstag, 28. November 2026, 9:30 h bis ca. 18 h

Ort: Haus der Vielfalt, Am Nordbahnhof 1a, 38106 Braunschweig


Unsere Zukunft organisieren – Visionen und Strategien für eine gerechtere Welt

„Man muss nüchterne, geduldige Menschen schaffen, die nicht verzweifeln angesichts der schlimmsten Schrecken und sich nicht an jeder Dummheit begeistern. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.“
(Antonio Gramsci)

Wir erleben eine wachsende Zuspitzung der Krisenmomente des postliberalen Kapitalismus. Der Niedergang der westlich dominierten Weltordnung nach der Phase der neoliberalen Globalisierung ist verbunden mit neuen Konkurrenzen, Protektionismus und Kämpfen um Ressourcenzugänge und Einflusssphären, die zunehmend auch militärisch ausgetragen werden. Das geht einher mit einer beispiellosen Rüstung und Militarisierung der Gesellschaft. Um die Kosten hierfür aufbringen zu können und um Profite zu sichern, sind einmal mehr Arbeitnehmerrechte und Sozialleistungen zum Angriffspunkt geworden. Die innergesellschaftlichen Folgen von Wohlstandsverlusten und zunehmender Armut sind eine immer stärker werdende Rechte, eine wachsende Faschisierung und Polarisierung der Gesellschaft.

Aber Verzweiflung und Fatalismus bringen uns nicht weiter. In dieser Situation sind Visionen für eine Politik gefragt, die die Gesellschaft nicht spaltet, sondern verbindet, die die Konflikte in einer sich verändernden Welt nicht anheizt, sondern sie moderiert und die endlich die überlebenswichtigen Maßnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel veranlasst. Und es braucht Strategien, die es ermöglichen, eine Politik für eine gerechtere Welt in die Tat zu setzen.

Weil die verschiedenen Krisenmomente miteinander verflochten sind, sind fortschrittliche Modelle der Gesellschaftsentwicklung gefragt, die diese Zusammenhänge in den Blick nehmen. Seit einiger Zeit wird ein über ein Konzept diskutiert, das Isabella Weber als „antifaschistische Wirtschaftspolitik“ bezeichnet hat. Der „soziale Antifaschismus“ (Lia Becker und Mario Candeias) erweitert dieses Konzept um die soziokulturelle Dimension.

Angesichts der Missachtung der internationalen Institutionen ist die Erneuerung einer friedlichen und kooperativen Bearbeitung internationaler Konflikte ein dringendes Erfordernis – ein Feld, das von der Friedens- und Konfliktforschung bearbeitet wird.

Industriepolitisch ist im Zuge der allgemeinen Militarisierung die Konversion in eine natur- und klimaverträgliche Produktion ins Hintertreffen geraten. Die hierfür benötigten Ressourcen fließen in eine bodenlose Aufrüstung. Es gilt, eine sozial-ökologische Wirtschaftspolitik wieder stark zu machen.

Das Ganze wird nur funktionieren, wenn sich die fortschrittlichen gesellschaftlichen Kräfte zusammentun und gemeinsam eine realistische Utopie entwerfen, die von der Mehrheit der Menschen als eine zukunftsträchtige Perspektive erkannt wird. Wie finden diese Kräfte zusammen, und wie gelingt es ihnen, erfolgreich für einen solidarischen gesellschaftlichen Wandel zu streiten?

Das ist die Themenstellung der 19. Braunschweiger Gramsci-Tage, mit der wir uns in Vorträgen, Diskussionen und Workshops befassen werden. Mitwirkende sind Özlem Alev Demirel, Mitglied des Europaparlaments für die Partei Die Linke (Keynote und Diskussion), PD Dr. Silke Ötsch, Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, Ulrike Eifler, 2. Bevollmächtige der IG Metall Würzburg und N.N., Kurve Wustrow (Diskussion). Es gibt Workshops zur Theorie von Antonio Gramsci, zum Organizing, zu Transformationsdesign und Zukunftsgestaltung sowie ein antimilitaristisches Argumentationstraining. In der Abschlussrunde diskutieren wir die Tagungsergebnisse im Hinblick auf die organisatorische und politische Praxis.

Näheres zum Programm und zur Anmeldung folgt in Kürze.


Die 19. Braunschweiger Gramsci-Tage werden veranstaltet vom DGB Region SON, dem DGB Stadtverband Braunschweig, dem GEW Bezirksverband Braunschweig, der Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen, dem Rosa Luxemburg Club Braunschweig und der Sozialistischen Jugend Die Falken Braunschweig.