16. Braunschweiger Gramsci-Tage 2023

Freitag, 6. Oktober 2023, 16h – 20.30h,
Samstag, 7. Oktober 2023, 9.30h – 17h

Braunschweiger Gewerkschaftshaus
Wilhelmstraße 5, 38100 Braunschweig

Der Kapitalismus an den Kipppunkten von Natur und Gesellschaft –
Perspektiven für einen nachhaltigen Sozialismus

Immer deutlicher stellt sich heraus, dass die international vereinbarten Ziele zur Eindämmung der existenzbedrohenden Klimaerwärmung mit einem dramatischen Verlust der Biodiversität und drastischen Folgen für die menschliche Existenz verfehlt werden.

Die Folgen für die Natur und die Gesellschaften sind überall spürbar. Dürren und Überflutungen auch in Europa, Migration aus dem globalen Süden, weil die Folgen der Klimaerwärmung dort noch drastischer zu spüren sind. In den westlichen Gesellschaften nimmt die sozioökonomische, aber auch die politische Polarisierung zu. Das herrschende politische System ist offensichtlich nicht in der Lage, die als notwendig erkannten Maßnahmen umzusetzen, um den selbst gemachten Bedrohungen von Natur und Gesellschaft wirksam zu begegnen.

Eine Bewältigung der planetaren Probleme im Kapitalismus ist nicht zu erwarten. Die Frage nach Alternativen drängt wie kaum jemals zuvor. Aber ein Sozialismus für das 21. Jahrhundert ist kein leichtes Unterfangen. Es genügt nicht mehr, „nur“ die Klassenherrschaft zu überwinden. Vielmehr muss er die vielfältigen Krisentendenzen des Kapitalismus „entinstitutionalisieren“, im Bereich der Ökonomie, der Ökologie, der sozialen Reproduktion und in der Politik. (Nancy Fraser)

Aber auch wenn die Dringlichkeit eines Systemwechsels erkannt ist: Das, was notwendig ist, bedarf der Konkretisierung. „Die Auffassung, das bloße ‚Aufzeigen des Falschen sei bereits Index des Richtigen‘, ist nicht mehr zu halten. Heutzutage gehören die Karten auf den Tisch. Zumindest die Umrisse einer nachhaltig sozialistischen Gesellschaft müssen so klar wie möglich gezeichnet werden, damit alle wissen, worauf sie sich einlassen, wenn vom Sozialismus die Rede ist. Ein positiver Gegenentwurf zur kapitalistischen Realität ist auch deshalb nötig, weil damit der Vereinnahmung gesellschaftskritischer Interventionen durch die radikale Rechte vorgebeugt werden kann.“ (Klaus Dörre)

Und schließlich: Wie ist ein solcher regime change zu gestalten, und (wie) ist er in der gegenwärtigen Situation des globalen Kapitalismus mit den sich zuspitzenden Kämpfen um strategische Vorherrschaft zu erreichen?

Die 16. Braunschweiger Gramsci-Tage haben sich vorgenommen zu analysieren, wo sich der Kapitalismus in seiner Dauerkrise (Ingar Solty) befindet, und Perspektiven und deren Umsetzungschancen für eine sozialistische Alternative zu diskutieren. Ist ein nachhaltiger Sozialismus eine reale Utopie oder sind solche Entwürfe eine „Flaschenpost“ für bessere Zeiten, die vielleicht nicht mehr kommen?

Die Braunschweiger Gramsci-Tage bieten Vorträge Vorträge, Diskussionen, Workshops u.a. mit Michael Brie, Klaus Dörre, Ines Schwerdtner, Ingar Solty sowie einen Konzertabend mit Isabel Neuenfeldt.

Eine längere Fassung des Ankündigungstextes findet sich hier.

Anmeldung und Tagungsbeitrag

Der Tagungsbeitrag beträgt 10 €, ermäßigt 5 €. Am zweiten Veranstaltungstag ist für 10 € ein vegetarisches Mittagessen erhältlich (bitte bei der Anmeldung angeben).

Anmeldungen unter post@gramsci-tage.de oder postalisch unter:

Braunschweiger Gramsci-Tage
c/o Norbert Kueß
Roonstraße 17
38102 Braunschweig

Programm

Freitag, 6.10.2023
16.00h Begrüßung und Eröffnung
16.30 – 18.30h Vortrag mit Diskussion

Klaus Dörre:
Kompass für einen nachhaltigen Sozialismus

19.00 – 20.30h Konzert

Isabel Neuenfeldt (Gesang und Akkordeon):
„O Himmel, strahlender Azur!“
Die Umschiffung der Kipppunkte von Gesellschaft und Natur mit geblähten Segeln. Ein theatralisch-konzertanter Versuch. Brecht zum 125. Geburtstag und den Freunden Gramscis zur Anregung.

Samstag, 7.10.2023
9.30h Einlass und Begrüßung
10.00 – 12.30h Vortrag

Ingar Solty:
Der globale Kapitalismus in der Dauerkrise

anschließend
Inputs und Podiumsdiskussion Wege aus der Dauerkrise

Michael Brie, Ines Schwerdtner, Ingar Solty; Moderation: Maren Kaminski
12.30 – 13.30h Mittagspause
13.30 – 15.00h Workshops

1.     Orhan Sat:
Einführung in die Theorie Antonio Gramscis

2.     Timo Reuter und Derya Rust:
Zusammenbruch der US-Hegemonie und Übergang zu einer multipolaren Weltordnung – Neue Blockkonfrontation oder friedliche Koexistenz

3.     Norbert Kueß und Jürgen Reuter:
Texte zur Diskussion über einen nachhaltigen Sozialismus

4.     Marvin Rühling:
Ideologieproduktion und ziviler Ungehorsam in Zeiten von autoritärem Neoliberalismus

5.     Gerhard Wysocki:
Rechtsextremistische Entwicklungen, Staat und Eliteninteressen in den 1930er Jahren und heute – Sollbruchstellen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

15.30 – 17.00h Abschlussdiskussion

Eine lebenswerte Zukunft gestalten – wie geht das?
Paul Mărginean (ver.di-Jugend Braunschweig), Lotta Klimmek (Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband), Clara Sommer (Die Falken Braunschweig), Emilie Knapheide (Fridays for Future Braunschweig); Moderation: Andreas Klepp

Das ausführliche Programm findet sich hier.

Die Mitwirkenden der 16. Gramsci-Tage werden hier vorgestellt.

Eine Literaturauswahl zur Veranstaltung haben wir hier zusammengestellt.

Flyer und Plakate können hier heruntergeladen werden.

Zur Dokumentation der 16. Braunschweiger Gramsci-Tage geht es hier.