18. Braunschweiger Gramsci-Tage 2025

Freitag, den 28. November 2025, 16 Uhr – ca. 21 Uhr
Samstag, den 29. November 2025, 9.30 Uhr – ca. 18 Uhr

Haus der Kulturen, Am Nordbahnhof 1a, 38106 Braunschweig

Hegemonie und öffentliche Meinung. Unser Kampf gegen Militarisierung und Sozialabbau – Frieden und Menschenrechte für alle


Zum Thema

Staat = politische Gesellschaft + Zivilgesellschaft,
das heißt Hegemonie, gepanzert mit Zwang.
(Antonio Gramsci)

Der Neoliberalismus befindet sich in einer substanziellen Krise, tagtäglich mehren sich die Hiobsbotschaften militärisch ausgetragener Konflikte, fortschreitender Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen sowie zunehmender Repression und Rechtsentwicklung weltweit. In den Gesellschaften der kapitalistischen Zentren ist das Vertrauen in das politische System in breiten Kreisen zerstört, und außenpolitisch sieht sich das auf der Hegemonie der USA aufgebaute kapitalistische Weltsystem zunehmend bedroht. Der postliberale Kapitalismus reagiert darauf aggressiv, mit Wirtschaftskrieg und Militarismus nach außen und mit Repression und Unterdrückung von Kritik nach innen, so Ingar Solty auf den 17. Braunschweiger Gramsci-Tagen. Widerstand tut Not – Antonio Gramscis Ansätze können dabei analytische und praktische Orientierung geben.

Gramsci unterscheidet in der kapitalistischen Gesellschaft zwei große „superstrukturelle Ebenen“: die Zivilgesellschaft, das ist die Ebene der „gemeinhin ‚privat‘ genannten Organismen“, und die politische Gesellschaft oder den Staat. Beide dienen der gesellschaftlich dominierenden Gruppe zur Herrschaftssicherung. Die Zivilgesellschaft ist das Feld für die Schaffung von Hegemonie. Sie stellt den „spontanen Konsens“ her, den „die großen Massen der Bevölkerung der von der herrschenden Gruppe geprägten Ausrichtung des gesellschaftlichen Lebens geben“. Die Funktion der politischen Gesellschaft ist die „direkte Herrschaft“ durch den staatlichen Zwangsapparat. Sie gewährleistet die Zustimmung auch „derjenigen Gruppen, die weder aktiv noch passiv zustimmen“. Beide Funktionen sind komplementär: „Staat = politische Gesellschaft + Zivilgesellschaft, das heißt Hegemonie, gepanzert mit Zwang.“

Die Herstellung von Hegemonie erfolgt durch die gerichtete Beeinflussung der öffentlichen Meinung über die Institutionen der Zivilgesellschaft, deren „dynamischster Teil“ für Gramsci die Presse ist. Für Noam Chomsky und Edward Herman ist „Propaganda“ die Hauptfunktion der Presse. Aber auch die Schulen, Universitäten, Kultureinrichtungen wirken auf das gesellschaftliche Bewusstsein, „darüber hinaus die Zirkel und Clubs unterschiedlicher Art, bis hin zur Architektur, zur Anlage der Straßen und zu den Namen derselben …“ (Gramsci)

Wenn der gesellschaftliche Konsens in die Krise gerät, haben die Organe der Hegemonieproduktion Konjunktur. Es gilt, die globalen Konfliktlinien ins „richtige Licht“ zu setzen, entgegen der Komplexität der politischen Dynamik zu zeigen, dass der Freund gut und der Feind böse ist. Schließlich sollen die „Massen“ akzeptieren, dass die Ressourcen für Bildung, soziale Absicherung und öffentliche Daseinsvorsorge dem propagierten Ziel der „Kriegstüchtigkeit“ (Pistorius) unterzuordnen sind.

Hieran arbeiten nicht nur die sog. Leitmedien. Trotz der Friedensverpflichtung des Grundgesetzes und des schulischen Bildungsauftrags zur Völkerverständigung und vernunftgemäßen Konfliktlösung (so z.B. das Nds. Schulgesetz) hält Militarismus (wieder) Einzug in die Schulen. Die Zivilklausel an den Hochschulen ist bedroht, kritischen Wissenschaftler:innen und Kulturschaffenden drohen Repressionen und die Marginalisierung – öffentliche Räume des Diskurses werden eingeschränkt.

Auf den 18. Braunschweiger Gramsci-Tagen befassen wir uns in Vorträgen, Diskussionen und Workshops mit den gegenwärtigen Strategien der Herrschaftssicherung in Zivilgesellschaft und Staat und stellen die Frage, was dem entgegenzusetzen ist. Mitwirkende sind Peter Wahl, Dr. Dr. Peter Ullrich (TU Berlin), Dr. Uwe Krüger (Uni Leipzig), Florian Muhl (Uni Hamburg), Katharina Niebergall (Lehrerin) u.a. Den Kulturbeitrag, eine szenische Lesung mit Musik zu der Schriftstellerin Hermynia zur Mühlen, gestalten wider & wider, das sind Katerina Brausmann und Julia Weidner.


Programm

Freitag, 28.11.25

16:00 Uhr | Einlass

16:30 Uhr | Eröffnung und Einführung

17:00 Uhr | Keynote mit Diskussion
Peter Wahl:
Die
Entwestlichung der Welt – und die Reaktion der politischen Klasse auf ihren Abstieg

19:30 Uhr | Kulturbeitrag
Katerina Brausmann und Julia Weidner:
Verbotsliste 2: Hermynia Zur Mühlens Unsere Töchter, die Nazinen (1935)
Eine szenische Lesung mit Musik von wider & wider

Ausklang bei Imbiss und Gesprächen

Samstag, 29.11.25

9:30 Uhr | Tagungsbeginn

9:45 Uhr | Podiumsdiskussion
Der Kampf um die Köpfe in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Medien

mit:
Dr. Dr. Peter Ullrich (TU Berlin)
Dr. Uwe Krüger (Universität Leipzig)
Florian Muhl (Universität Hamburg)
Katharina Niebergall (Lehrerin, Junge GEW NRW)

Moderation: Maren Kaminski (MdB, Die Linke)

13:00 Uhr | Workshops

  1. Orhan Sat:

    Einführung in das Denken von Antonio Gramsci

  2. Andreas Klepp und Dr. Francesco Laruffa

    Gramsci und Bildung – Kulturelle Hegemonie verstehen, kritisieren und erlangen

  3. Dr. Dieter Daunert und Timo Reuter:

    Kriegstüchtigkeit der Bevölkerung mit dem Operationsplan Deutschland

  4. Florian Muhl und Katharina Niebergall:
    Militarisierung in den Bildungseinrichtungen und antimilitaristische Gegenstrategien

16:00 Uhr | Abschlussdiskussion
Was tun angesichts von Militarisierung, Sozialabbau und Manipulation der öffentlichen Meinung?

mit
Marco Frank (Refugium e.V.)
Leonie Bartsch (Co-Vorsitzende Die Linke Braunschweig)
Mika Paul Malak (SDAJ, Komitee Schulstreik gegen Wehrpflicht)

Moderation: Jürgen Reuter (Team Gramsci-Tage)

17:30 Uhr | Tagungsabschluss

Zum ausführlichen Programm geht es hier

Mitwirkende

Die Mitwirkenden werden hier vorgestellt.

Tagungsbeitrag

Der Tagungsbeitrag beträgt 20 €, ermäßigt 5 €.
Der ermäßigte Beitrag gilt für Studierende, Empfänger sozialer Transferleistungen und andere einkommensschwache Teilnehmer:innen. (Gern können finanziell Bessergestellte ihren Beitrag um einen Solibetrag erhöhen.)

Catering

Die Tagungsgetränke sind frei. Eine Beteiligung an den Kosten ist willkommen.

Der Kiosk im Haus der Kulturen ist während der Tagung geöffnet.

Der Snacks Café-Kiosk, Braunschweig, Gliesmaroder Str. 12, bietet vor Ort ein Essen an (auch vegan und vegetarisch). Die Preise betragen zwischen 5 € und 10 €.

Barrierefreiheit

Der Veranstaltungsort ist im Untergeschoss barrierefrei zu erreichen. Ein Aufzug zu den Seminarräumen im Obergeschoss steht leider nicht zur Verfügung.

Kinderbetreuung

Es besteht die Möglichkeit, während der Veranstaltung eine Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen. Bei Bedarf bitte bei der Anmeldung angeben!

Anmeldung

Zur Anmeldung für die Tagung geht es hier.