„Die Krise besteht gerade in der Tatsache, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann.“
Antonio Gramsci (1891-1937) war politischer Journalist, Aktivist der Turiner Rätebewegung und Vorsitzender der Kommunistischen Partei Italiens. 1926 wurde er von den italienischen Faschisten inhaftiert und verstarb nach 10 Jahren Haft an den Folgen der Gefangenschaft. Seine Notizen in den postum veröffentlichten „Gefängnisheften“, die von historischen Studien wie von politischen Kämpfen seiner Gegenwart ausgehen, stellen anhaltend produktive Anregungen für Herrschaftskritik und emanzipatorisches Handeln bereit.
Vor dem Hintergrund des Scheiterns der revolutionären Aufstände der 1920‘er Jahre fragte Gramsci nach der Bedeutung des Staates, der Kultur, der Intellektuellen und des Alltagsbewusstseins für die Organisation von Herrschaft. Er entwickelte Überlegungen zur emanzipatorischen Überwindung der bestehenden Verhältnisse und formulierte Entwürfe für eine Neubegründung des Marxismus als „Philosophie der Praxis“. Zentral für die Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse waren darin seine Hegemonietheorie sowie seine Gedanken zur widerständigen Praxis, die sich in seinem Konzept der Gegenhegemonie widerspiegeln.
In dem Workshop werden wir uns mit den zentralen Begriffen und Konzepten der politisch-philosophischen Theorie Antonio Gramscis auseinandersetzen. Darauf aufbauend wollen wir den politisch-praktischen Gebrauchswert von Gramscis Denken für die Analyse gegenwärtiger politischer Entwicklungen erkunden.
Orhan Sat ist Gewerkschaftssekretär im Fachbereich für Medien, Kunst und Industrie beim ver.di Bezirk Region Süd-Ost-Niedersachsen. Er ist in der Türkei geboren, die er 1994 wegen seiner politischen Aktivitäten verlassen musste. Danach studierte er Politikwissenschaft, Soziologie und Rechtswissenschaften an der TU Braunschweig.
